Mach mit… Kritische Stimmen bis zum 4. 9. gesucht!

B-Plan und F-Plan zu Möbel Kraft liegt aus!

Die beiden Entwürfe liegen vom 24. Juli 2014 bis zum 4. September 2014 im Stadtplanungsamt der Landeshauptstadt Kiel, Rathaus, Fleethörn 9, 24103 Kiel, 4. Geschoss, in den Schaukästen auf dem Flur im Bereich des Zimmers 462b (Plankammer) öffentlich aus. Sie können die Planunterlagen im Rathaus oder in der gläsernen Akte einsehen.

Die Entwürfe unterscheiden sich kaum vom Vorentwurf aus dem Oktober 13. Möbel Kraft hatte ja den Bürgerentscheid v.a. durch die Stimmen der peripheren Stadtteile mit eigenem Grün gewonnen. War es also von der Stadtverwaltung zuviel verlangt, auf die Wünsche der BürgerInnen nach Flächenminimierung und der Gewerbetreibenden nach weiterer Einschränkung der zentrenrelevanten Sortimente einzugehen? Schließlich hatten 3 Umweltverbände, 2 Handelsverbände, die Umlandgemeinden sowie 11 BürgerInnen detailierte Einwendungen gemacht, die fast alle – Punkt für Punkt – mit den bekannten Argumenten aus den Gutachten abgelehnt wurden. Ein Abwägungsprozess, der hier gefordert war, hat also nicht stattgefunden. Deswegen ist es umso dringlicher, dass jetzt noch mehr Kielerinnen ihren Unmut über diese Form der Stadtplanung kund tun. Also, je mehr um so besser, es ist unsere Stadt!

Schreiben Sie selber Ihre Gedanken und Ideen zum Thema auf – das ist ganz einfach und verlangt kein Hintergrundwissen. Eine gründliche Auseinandersetung mit der Planskizze der Gläsernen Akte ist eine ausreichende Basis, zudem haben wir hier für Sie eine Zusammenfassung kritischer Punkte und möglicher Einwände für Sie zusammengestellt.

Weiter sagen :-)

Weitere Infos…

Bürgerbrief:

Sehr geehrte Kieler Bürger und Bürgerinnen,
die öffentliche Auslegung des Entwurfs zum Bebauungsplan 988 (Möbelmarktzentrum) sowie des Entwurfs zur 32. Flächennutzungsplanänderung bietet uns KielerInnen die Möglichkeit, doch noch Einfluss auf die bauliche Ausgestaltung der Ansiedlung von Möbel Kraft und Sconto am Westring zu nehmen. Diese Möglichkeit sollten wir unbedingt nutzen. Dabei spielt es keine Rolle, dass der Bürgerentscheid knapp verloren wurde. Die jetzt anstehende Bürgerbeteiligung ist gesetzlich vorge­schrieben, und die Stadtverwaltung muss sich mit unseren Einwänden, Bedenken und Verbesserungsvorschlägen auseinandersetzen. Da ja die inner­städtischen BewohnerInnen mehrheitlich für den Bürgerentscheid und damit gegen Möbel Kraft gestimmt haben, sehen wir eine moralische Verpflichtung bei den Ratsabgeordneten, dafür zu sorgen, dass zumindest ein Teil unserer Vorschläge aufgegriffen wird. Zu diesem Ziel wäre es wünschenswert, dass möglichst viele KielerInnen der Stadtverwaltung ihre Meinung, bzw. ihre Einwände zu diesem Thema mitteilen.

Dies kann in handschriftlicher oder in getippter Form erfolgen, muss aber auf Papier bis zum 4. September 2014 bei der Stadtverwaltung (Stadtplanungsamt, Postfach 1152, 24099 Kiel) landen. Es kann auch vom Pförtner im Rathaus mit einem Eingangsstempel versehen und angenommen werden.

Stadtplanungsamt
Postfach 1152
24099 Kiel

Diese schriftlich eingereichten Einwände müssen keine spezielle Form haben, es muss jedoch darauf vermerkt sein, worauf sie sich beziehen, d.h. auf beideEntwürfe (Bebauungsplan und Änderung des Flächennutzungsplanes). Auch brauchen keine Quellenangaben für Ihre Einwände gemacht zu werden, sie sollten aber möglichst konkret formuliert sein.

Beispiel: „Es wird zu viel Grün vernichtet“ ist unkonkreter als „ Die Fläche des Möbelzentrums erscheint im Vergleich zur verbleibenden Grünfläche viel zu groß. Sie ist viel größer als in dem KN-Bild von vor 2 Jahren“

Wir haben Ihnen im Folgenden eine Reihe von Punkten aufgelistet, die uns bei genauer Durch­sicht der Pläne und der mehreren Hundert Seiten Fachgutachten aufgefallen sind. Nehmen Sie diese Punkt gern als Anregung, schreiben Sie aber bitte nicht wörtlich ab: Gleichlautende Kritik­punkte dürfen nämlich gemeinsam beantwortet werden!
Gern können Sie aber natürlich auch von uns nicht Erwähntes schreiben, insbesondere aus eigener Erfahrung vor Ort, z.B. zu den Themen Verkehr oder Lärm.

Einzelhandel

  • Es ist eine Begrenzung der sogenannten zentrenrelevanten Sortimente (Waren aus den Bereichen Gardinen, Heimtextilien, Geschenke, Glas, Hausrat etc) auf 10% Umsatzverteilung vorgesehen, d.h. es dürfen noch einmal 10% der Einnahmen der Innenstadt in diesen Sortimenten zu Möbel Kraft abfließen. Erlaubt soll dies werden, da das Gutachten den Einzelhandel in der Stadt als „gesund“ bezeichnet. Die zunehmenden Leerstände in der Innenstadt (beispielsweise C&A, Karstadt Sporthaus, Andreas-Gayk-Straße) und der langsame Verfall der Holstenstraße sind aber nicht zu übersehen. Viele Menschen gehen bei Ikea essen – Möbel Kraft veranstaltet z.B. ein Oktoberfest! Es ist also von einer weiteren Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation der Innenstadt auszugehen. Es ist zu befürchten, dass auswärtige Besucher bei Möbel Kraft und Citti hängen bleiben.

Umwelt

  • Schon jetzt leiden die angrenzenden Stadtteile unter erheblichem Verkehrslärm. Der Prüner Schlag wirkt bisher wie ein Lärmpuffer und verbessert aufgrund des vielen Grüns auch deutlich das Lokalklima in den angrenzenden Stadtteilen, v.a. in östlicher Richtung. Im Vergleich zu anderen Stadtteilen gibt es in diesen Stadtteilen schon jetzt zu wenig Grün und Erholungsflächen. Auf dem Prüner Schlag soll laut dem vorliegenden Entwurf lediglich ein Wanderweg entlang der Schützengilde bis zur Fußgängerbrücke über die Bundesstraße öffentlich zugänglich bleiben. Zusätzlich soll es einen Wander- und Pflegeweg in kurzem Abstand parallel zum Hasseldieksdammer Weg geben.
  • Der gesetzlich vorgeschriebene Ausgleich für die geplante Grünvernichtung ist in Wellingdorf, Rönne und Boksee, sowie im Kreis Plön vorgesehen, außerdem durch Geldzahlungen. Die nicht benötigten Flächenanteile vor Ort sollen ebenfalls als Ausgleichs­flächen aufgewertet werden, sie machen aber weniger als 30% der Ursprungsfläche aus. Fassaden- und Dachbegrünung soll dafür angerechnet werden.
  • Das Gebiet hat sich als sehr artenreich und von hohem ökologischem Wert herausgestellt. Davon würde kaum etwas übrig bleiben, da der jetzige Plan an der von Möbel Kraft und Sconto gewünschten Grundfläche ohne unterirdische Parkplätze festhält. Angeblich wäre eine Tiefgarage „unwirtschaftlich“. Was aber ist mit einem Parkdeck unter einem Hochparterre?
  • Auch die als Weiher eingegrünt getarnten Regenrückhaltebecken am Westring vor Möbel Kraft dürften kaum Wert haben – wer will an einem Parkplatz sitzen, welches Lebewesen fühlt sich im Regenoberflächenwasser der Parkplätze wohl?
  • Unklar bleibt auch, ob diese Rückhaltebecken nicht zu vermehrtem Grundwasserdruck in den umliegenden Wohngebieten führen werden, bzw. ob die Ableitungen daraus nicht bei Starkregen die sowieso schon oft überforderte Kanalisation am Westring und am Schützenwall überfluten werden – das Kleingartengelände wirkt nämlich wie ein Schwamm, der kurzfristig viel Wasser aufnehmen und langsam wieder abgeben kann. Die Bäume halten ebenfalls Wasser fest.
  • Der BUND hat in seiner Stellungnahme zum Vorentwurf sogenannte Visualisierungen gefordert, d.h. Fotos, in die die Veränderungen hinein projiziert werden. Dies wurde abgelehnt mit Verweis darauf, dass es schon genügend bildliche Darstellungen gebe. Diese sind jedoch alle von Möbel Kraft bzw. von den Architekten erstellt worden, fiktive Sommeransichten mit vielen grünen Bäumen … Die Gebäudehöhe soll größtenteils 21 Meter betragen, teilweise aber auch 36 Meter. Berichten Sie von Ihren nassen Kellern – wie häufig das auftritt! Machen Sie Vorschläge, was in Ihrer Umgebung, d.h. innerhalb des Kieler Stadtgebiets, als Ausgleichsfläche grüner werden sollte. Überlegen sie konkret (z.B. in Form einer Zeichnung), wie auf dem Gelände die Gebäude/ Parkplätze besser angeordnet werden können. Fordern Sie „Winteransichten“ von den benachbarten Straßen – schließlich wird das Bild des Stadtteils massiv verändert.

Verkehr

  • Das Verkehrsgutachten sagt, dass die bestehenden Straßen, inklusive der auf dem Westring zum Möbelmarkt hin neu zu bauenden Linksabbiegerspur, die erwarteten ca. 5000 Kunden pro Tag fassen würden. Wir bezweifeln zum einen diese niedrige Zahl – als Vergleichsmarkt musste Buchholz/Nordheide herhalten, nicht aber das viel näher gelegene Bad Segeberg. Eine nur unwesentlich höher angesetzte Zahl an Kunden würde im Abschnitt Westring zwischen Saarbrückenstraße und Schützenwall bereits zur Note „Ungenügend“ führen. Zudem fließe angeblich der Verkehr im Jahresverlauf sehr gleichbleibend.
  • Die Untersuchungen im Verkehrsgutachten erstrecken sich nur auf den Bereich bis zur Saarbrückenstraße, der bekanntermaßen extrem laute Theodor-Heuss-Ring wurde nicht untersucht. Das Lärmgutachten hat sogar nur die Straßen bis zu den benachbarten Kreuzungen Schützenwall bzw. Hasseldieksdammer Weg erfasst.
    Schildern Sie Ihre Erfahrungen mit Lärm und Stau. Ist das zu allen Jahreszeiten gleich? Fordern Sie begründet Nachuntersuchungen!
  • Der Hasseldieksdammer Weg soll über den Tag verteilt maximal 300 Autos mehr aufnehmen. Ist diese Situation für die vielen Schulkinder zumutbar? Wie oft gibt es Unfälle – auch hier sind Sie gefragt, dazu Anmerkungen zu geben. Wie gesagt, dieses sind nur Anregungen. Bitte nehmen Sie weitere Informationen aus der Ortsbeiratssitzung mit und äußern Sie sich kritisch.

In einem Brief an die Ortsbeiratsmitglieder haben wir zudem viele konkrete Fragen formuliert, die sich aus dem Entwurf und den Gutachten ergeben. Die Begründung der Fragen ist mit vielen Quellverweisen zu den Gutachten versehen. Wer sich tiefergreifend mit dieser Thematik befassen möchte, findet ausführliche Informationen auf der Webseite der BUND-Kreisgruppe Kiel zur Ansiedlung von Möbel Kraft: http://ttkielblog.wordpress.com